Kritik am Offenen Brief des Migration Hubs Heidelberg vom 20. Juli 2020

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Der vollstÀndige Text findet sich hier: http://migrationhub-heidelberg.org/projekte/

Dieser Offene Brief fĂ€ngt schon mit einem BrĂŒller an:

“Triggerwarnung – in diesem Brief werden Begriffe und Narrative verwendet, die rassistische Stereotype reproduzieren.”

So wie manche Video-Streaming-Anbieter bestimmte Filme nicht mehr ohne vorangehende ErklĂ€rung des Inhalts und Verweis auf schlimme Klischees und verdammenswerte Vorurteile zeigen wollen, sofern sie sie ĂŒberhaupt noch zeigen, so wird auch hier, noch bevor ein Wort gefallen ist, darauf hingewiesen, daß Wörter verwendet werden, die rassistische Stereotype reproduzieren.

Ein Wort reproduziert gar nichts. Null, nada, niente. Ich betone das, weil die gedankliche Verirrung unter anderem hier ihre Wurzeln hat. Reproduzieren im Sinne der Verfasser dieses Pamphlets tun nur denkende Menschen. Es ist also zuallerst einmal so, daß hier an einem Punkt angegriffen wird, der ĂŒberhaupt nicht ursĂ€chlich ist fĂŒr das, was in dem Brief dem Grunde nach angeprangert wird, nĂ€mlich Rassismus.

Ein Wort, ein Begriff, können ĂŒberhaupt nicht ursĂ€chlich sein fĂŒr Denkmuster, das Ignorieren geschichtlicher ZusammenhĂ€nge oder was auch immer. Begriffe und Wörter alleine, ohne einen Text darumherum, sind Bausteine unserer, jeder Sprache, ohne die wir nicht umfassend denken können. Jedes Wort, daß in einer Sprache geschaffen wird, erlaubt in der Gesamtschau der Sprache einen Zuwachs an GranularitĂ€t der Sprache bezĂŒglich der Welt, mit anderen Worten, je mehr Wörter wir zur VerfĂŒgung haben, um sprachlich auf die Welt zu reagieren, desto prĂ€ziser und kleinteiliger können wir uns ĂŒber die Welt Ă€ußern.

Um diesen wichtigen Punkt unmißverstĂ€ndlich klarzumachen: Ein Wort reproduziert nicht, es ist ein Sprachbaustein, der eingebettet in einen Text zur Formulierung beliebiger ZusammenhĂ€nge benutzt werden kann. Ob er jeweils angemessen, sinnvoll oder geschmackvoll benutzt wird, oder auch in geschmackloser, provozierender, selbst völlig falscher Weise verwendet wird, ist einzig Sache des Autors, der das zu verantworten hat. Die Frage, ob ein Text, nicht ein Wort, wohlgemerkt, gegen geltendes Recht verstĂ¶ĂŸt, ist gegebenenfalls vor Gericht zu klĂ€ren. Und solange kein Gericht einen Text oder Teile daraus verbietet, das heißt, seine Veröffentlichung untersagt, ist er von der Meinungsfreiheit gedeckt.

“Die Frage ist nicht nur, ob das Wort verwendet werden sollte oder nicht, vielmehr geht es darum, ob wir den zugrunde liegenden Rassismus akzeptieren oder nicht.”

Hier gibt der Migration Hub Heidelberg (im folgenden MHH abgekĂŒrzt) vor, es ginge ihm nicht um Wörter, sondern um den zugrundeliegenden Rassismus. Wenn es aber nicht um Wörter geht, warum wurde dann gefordert, das Gasthaus zum Mohren umzubenennen? Also geht es ganz klar doch um das Wort!

Und bevor jetzt die Frage nach Roß und Reiter aufkommt, nĂ€mlich dem, der da angeblich dem Rassismus Vorschub leistet, beeilt man sich, das ohne Nennung von Personen zu definieren:

“Der Rassismus liegt bereits in der Wurzel des kolonialistisch geprĂ€gten Wortes: Der Begriff „Mohr“ stammt einerseits von dem griechischen Wort moros “dumm, töricht, gottlos, einfĂ€ltig” und leitet sich außerdem von dem lateinischen Wort maurus “schwarz, dunkel, afrikanisch” ab. Neben des bereits rassisitischen Wortursprungs steht die Verwendung des Wortes in einer Tradition der Abwertung und Objektifizierung von SchwarzenÂč Menschen. Dabei ist nicht relevant, wer genau durch dieses Wort beschrieben wird, sondern dass durch diese Fremdzuschreibung die Versklavung und Ausbeutung Schwarzer Menschen weltweit legitimiert wurde.”

In diesem Abschnitt wird behauptet, der Begriff Mohr sei abgeleitet aus moros, aber auch aus maurus. Frage: Was denn nun? Ein Wort kann nur einen Ursprung haben. Bedeutungen können verschmelzen, das ist wohl einsichtig, aber daß ein Wort zwei Wurzeln haben soll, die dann witzigerweise sowohl eine Zuschreibung als auch eine Definition einer Gruppe von Menschen enthalten und zu allem Überfluß phonetisch fast gleich sind, erscheint mir extrem unwahrscheinlich. Vielmehr habe ich den Eindruck, daß der MHH hier seine ohnehin dĂŒnne Argumentation verstĂ€rken wollte, indem er zwei Argumente zusammenfĂŒgt, die aber aus logischen Gesichtspunkten nicht zusammenpassen. Ich interpretiere das als eine politisch gewollte Schlußfolgerung, denn hier wird nicht sauber nachgedacht, sondern aus politisch-ideologischen Zielen so dargestellt, wie es einem in den Kram paßt.

Ob der Begriff Mohr von Anfang an rassistisch war, bleibt also offen, das ist nur zu klĂ€ren, indem man historische Texte analysiert, und ich bin mir 100% sicher, daß der MHH das nicht getan hat. Ihm genĂŒgen hier reine Behauptungen.

Jetzt kommen wir zum entscheidenden Satz des gesamten Offenen Briefs:

“Dabei ist nicht relevant, wer genau durch dieses Wort beschrieben wird, sondern dass durch diese Fremdzuschreibung die Versklavung und Ausbeutung Schwarzer Menschen weltweit legitimiert wurde.”

Was hier behauptet wird, ist in seiner antiaufklĂ€rerischen Denkweise (ich scheue mich eigentlich, das Denken zu nennen, aber das muß man wohl tun), grotesk: Laut MHH haben wir es also mit einem Wort zu tun, bei dem der Gegenstand, fĂŒr den es steht, irrelevant ist.

Da bleibt mir doch fĂŒr einen Moment die Spucke weg.

Es wird also gefordert, GasthĂ€user, Straßen, Apotheken und andere GeschĂ€fte umzubenennen, also den Begriff Mohr zu canceln (hiermit ist also der Beweis fĂŒr eine Cancel Culture erbracht, auch wenn Hannah Pilarczyk vom Spiegel behauptet, es gĂ€be sie nicht (https://www.spiegel.de/kultur/cancel-culture-viele-graeben-viele-kaempfe-essay-a-60615caf-c115-467e-a2e3-3e3e7bdca606), ohne daß es noch weiter erforderlich wĂ€re zu klĂ€ren, wen der Begriff ĂŒberhaupt betrifft und welche Gruppe er beschreibt.

Damit zieht man sich schon einmal von der Debattierfront zurĂŒck und betoniert seinen eigenen Standpunkt in dem Glauben, damit wĂ€re die Sache erledigt. Ist sie aber nicht, denn diese Aussage ist eine geistige BankrotterklĂ€rung.

Im folgenden werden einige historische Tatsachen aufgelistet, die sich im wesentlichen auf den Kolonialismus beziehen. Das gibt mir Gelegenheit zur vorsorglichen Aussage, daß ich die Aufarbeitung von historischen ZusammenhĂ€ngen gerade auch im Fall des Kolonialismus fĂŒr wichtig halte. Geschichtsbewußtsein ist erforderlich, um gesellschaftliche ZusammenhĂ€nge festzustellen, zu analysieren und zu dokumentieren. Auf Scheurings Tabakladen und seine Mohrenfigur gehe ich hier nicht ein, das ist nicht Ziel dieses Textes. Aber im folgenden wird die oben behauptete Irrelevanz der Bedeutung des Begriffs noch ĂŒbertroffen:

“In beiden FĂ€llen – der GaststĂ€tte “Mohr” sowie die Verbildlichung dieser rassistischen Fremdzuschreibung in Form einer lebensgroßen Figur in “Scheurings Tabakladen” – ist es letztlich irrelevant, ob dies als rassistische Verletzung intendiert ist oder nicht. Entscheidend ist, dass Schwarze Menschen davon angegriffen und rassistisch beleidigt werden. Die Berechtigung der Anzeige wegen Beleidigung liegt also auf der Hand.”

Jetzt ist es sogar irrelevant, ob die Verwendung des Begriffs Mohr in der Absicht geschah, jemanden herabzusetzen oder nicht. Wenn meine Taten also vor Gericht nicht mehr danach beurteilt werden, was meine Intention war, dann sind der WillkĂŒr TĂŒr und Tor geöffnet! Wenn ich also einen Angreifer töte, um einen anderen Menschen vor einer gewaltsamen Tötung zu schĂŒtzen, bin ich genauso ein Mörder wie der, vor dem ich einen anderen geschĂŒtzt habe?

Es gibt Regeln des Denkens, und es ist unfaßbar, wieviel Dummheit zusammenkommen mußte, um so einen Text zu veröffentlichen. Einem denkenden Menschen, der die Konsequenzen solcher Aussagen analysiert, mĂŒssen die Haare zu Berge stehen, so abstrus ist das.

Zum Begriff der Beleidigung muß ich noch etwas sagen: Eine Beleidigung kann nur stattfinden, indem sie adressiert wird. Eine Beleidigung ohne Adressaten ist keine. Wenn Mohr aber laut MHH keine Gruppe darstellt (ist ja irrelevant), wie kann dann eine Gruppe beleidigt werden? Und vor allem: Wie kann ein Einzelner durch ein öffentlich sichtbares Schild beleidigt werden? Ein Einzelner?

Wenn ich eine Gruppenbezeichnung abwertend verwende, wie z. B. dĂ€mliche AuslĂ€nder, kann ich dann persönlich als AuslĂ€nder beleidigt sein? Ich denke, nicht. Aussagen in dieser Richtung können volksverhetzend sein, und tatsĂ€chlich, sie können rassistisch sein und vieles andere mehr. Wenn es dann justiziabel wird, dann wird es aber mit Sicherheit um Bevölkerungsgruppen gehen, die vor despektierlichen, herabwĂŒrdigenden Aussagen geschĂŒtzt werden sollten, aber nicht um ein verletztes Persönlichkeitsrecht eines Einzelnen. Vor allen Dingen: Wie soll die Verwendung eines Begriffs eine persönliche Beleidigung darstellen, wenn ĂŒberhaupt keine persönliche Interaktion stattfindet zwischen Beleidiger und Beleidigtem? Das sind lĂ€cherliche Konstrukte ohne Sinn. (Über das Schicksal der Anzeige, die gestellt wurde, konnte ich nichts in Erfahrung bringen. Es ist also unklar, ob sie ĂŒberhaupt einem Gericht vorgelegt worden ist. Von einem Gerichtsurteil in dem Fall ist noch weniger etwas zu finden. Was mich nicht wundert. Aber darĂŒber spricht niemand, jedenfalls konnte ich dazu in den sogenannten Medien nichts finden.)

Aber spannend wird ja das Ganze, wenn man sich den Mechanismus anschaut, der schließlich zur NamensĂ€nderung gefĂŒhrt hat, nĂ€mlich ganz offensichtlich kein Gerichtsurteil, nicht der Wille des Volkes, nein, der Wille eines gewalttĂ€tigen Mobs:

Bei der Recherche findet man Begriffe wie Shitstorm und Facebook-Community (oder auch nur Community). Zusammengefaßt kann man sagen: Die Änderung fand statt, weil jemand einem social pressing nachgegeben hat. Anders formuliert: Ein Mob hat solange mit Dreck geworfen, bis jemand getan hat, was der Mob wollte.

Und das, lieber Leser, ist der eigentliche Skandal an dieser Geschichte!

PS: Ein Punkt ist noch nicht angesprochen worden, den ich aber hier anfĂŒgen will, weil er wichtig ist. Zitat aus dem Offenen Brief:

“Rassismus kann von weißen Menschen nicht nachempfunden werden, denn die jahrhundertelange Geschichte der Erhebung weißer Menschen ĂŒber nicht-Weiße kann nicht umgekehrt werden. Wir appellieren daher an alle Menschen, die in Zusammenhang mit dieser Sache stehen, auf die Expertise von Menschen, die im Bereich Antirassismus arbeiten und auf Menschen mit Rassismuserfahrungen, zu hören.”

Was heißt das, kann nicht nachempfunden werden? Kann demnach ein Mann z. B. auch nicht nachempfinden, was eine Frau bei einer Vergewaltigung empfindet? Kann ein Mensch, der beide Beine hat, nicht nachempfinden, wie es ist, keine mehr zu haben? Oder gar wie es ist, nie welche gehabt zu haben?

Diese Aussage ist in der PauschalitĂ€t, wie sie hier getroffen wird, unhaltbar. Sie erklĂ€rt Weiße (und nicht im Bereich Antirassismus TĂ€tige 😆 ) fĂŒr inkompetent in Bezug auf die ganze Sachlage, und das aus einem Grund, der in der Aufforderung im zweiten Satz gipfelt: “Wir appellieren daher an alle Menschen, … auf die Expertise von Menschen, die im Bereich Antirassismus arbeiten und auf Menschen mit Rassismuserfahrungen, zu hören.”

Aha, da ich also nicht im Bereich Antirassismus arbeite (was fĂŒr eine hirnrissige Formulierung… Er arbeitet im Bereich Antirassismus. Aua…) und keine Rassismuserfahrung habe, was immer das nun wieder bedeuten soll, muß ich also schon aus moralischer Verpflichtung auf den MHH hören und tun, was er sagt!

Sehr schlau formuliert: Ihr seid alle nicht in der Lage, die Situation richtig einzuschĂ€tzen, das sind nur wir, also tut, was wir sagen! Das ist so cool…

Glaubt der MHH wirklich, diese dummdreiste Argumentation wÀre nicht zu durchschauen?

Zum Migration Hub Heidelberg

Der sogenannte Migration Hub Heidelberg hatte es sich zur Aufgabe gemacht, unter anderem den Inhaber des Gasthauses Zum Mohren zu einer Änderung des Namens zu zwingen. DarĂŒber kann man in diesem Artikel

https://www.rnz.de/nachrichten/heidelberg_artikel,-rassismus-diskussion-jetzt-hat-auch-heidelberg-die-mohren-debatte-update-_arid,522881.html

folgendes lesen, ich zitiere:

“Das Netzwerk “Migration Hub Heidelberg” schloss sich zwei Wochen spĂ€ter der Forderung an: “Konkret fordern wir die Änderung des Namens der GaststĂ€tte ,Gasthaus Zum Mohren’ und die Entfernung des Schriftzugs auf dem GebĂ€ude. Des Weiteren fordern wir die Entfernung der rassistischen Figur und des Ladenschilds von Tabak Scheuring”, heißt es in einem offenen Brief des BĂŒndnisses. 

“Die Frage ist nicht nur, ob das Wort verwendet werden sollte oder nicht, vielmehr geht es darum, ob wir den zugrunde liegenden Rassismus akzeptieren oder nicht”, erklĂ€rte das BĂŒndnis.

Sowohl Begriff als auch Figur fĂŒhren ihm zufolge rassistische und koloniale Denkmuster fort. In beiden FĂ€llen sei irrelevant, ob dies als rassistische Verletzung beabsichtigt sei oder nicht. Entscheidend sei, dass schwarze Menschen dadurch angegriffen und beleidigt wĂŒrden, so der “Migration Hub”. Die Verantwortlichen aufseiten der Stadtverwaltung seien deshalb gefordert, dem Fortwirken dieser Bilder im stĂ€dtischen Raum etwas entgegenzusetzen.”

Man kapriziert sich also nicht zuvorderst darauf, daß das Wort Mohr nicht mehr verwendet werden sollte, wohl ahnend, daß das (noch) zu weit geht, behauptet aber, es ginge um den Rassismus dahinter. Der Inhaber ist allem Vernehmen nach aber kein Rassist, er pflegt anscheinend auch keine rassistischen Denkmuster, denn sonst hĂ€tte man ihn ja gleich anzeigen können, nein, man bekĂ€mpft Rassismus durch Beseitigung von Wörtern, das nennt man auch Cancel Culture. Worin der Rassismus beim FĂŒhren des Namens einer GaststĂ€tte ĂŒberhaupt bestehen soll, erklĂ€rt dieser Verein von Spinnern und Ignoranten aber nicht.

Der Begriff, gemeint ist Mohr, fĂŒhre rassistische und koloniale Denkmuster fort. Ich frage Euch, Migration Hub Heidelberg, seid Ihr noch ganz dicht? Ein Begriff fĂŒhrt Denkmuster fort? Noch niemals habe ich von einem denkenden Begriff gehört, so etwas existiert nur in Eurer Vorstellung. Gehört habe ich dagegen von denkenden, Begriffe verwendenden Menschen. Und deren Absicht bei der Verwendung eines Begriffs ist das, was geklĂ€rt werden muß, nicht der Begriff. Und es ist ĂŒberhaupt nicht irrelevant, ob die Verwendung als rassistische Verletzung beabsichtigt ist oder nicht, es ist, liebe Verirrte im Geiste, das einzige, was tatsĂ€chlich eine Rolle spielt!

Wenn ein Schwarzer sich durch den Anblick eines Mohrenkopfs im Schaufenster beleidigt fĂŒhlt, unabhĂ€ngig davon, wie das Konditoreiprodukt in der Auslage ausgeschildert ist, ist das sein Problem! Ich fĂŒhle mich auch nicht beleidigt, wenn ich einen Krautsalat sehe, auch wenn ich ein Kraut bin. Dasselbe gilt analog fĂŒr Begriffe.

Am Ende der Pseudologik dieses unsĂ€glichen Vereins mĂŒĂŸte man das Wort verbieten, denn die Intention bei seiner Verwendung spielt dessen Meinung nach ja keine Rolle. Also, dann mal los! Erstellt sie, die Liste verbotener Wörter! Und macht sie immer lĂ€nger! Und sorgt dafĂŒr, daß die Verwendung eines Wortes unter Strafe gestellt wird!

 

Gasthaus zum Mohren in Heidelberg

Das hier ist passiert:

https://www.heidelberg24.de/heidelberg/heidelberg-mohr-altstadt-rassismus-debatte-name-schriftzug-gasthaus-zum-mohren-untere-strasse-90828838.html

Ein mehr als 200 Jahre altes Gasthaus hat seinen Namen geĂ€ndert, weil die “Community verĂ€rgert” war. So hat es Heidelberg24.de dargestellt:

Das Bild zeigt einen Screenshot von der Homepage. (Es heißt ĂŒbrigens richtig “… Ă€ndert Namen” und nicht “…Ă€ndert Name”!)

Interessant ist der Verweis auf die Community: Ohne Artikel, als ob eindeutig und absolut klar wĂ€re, wer diese Community ist. Und es wird suggeriert: Ist die Community verĂ€rgert, dann hat gefĂ€lligst das entsprechende Ärgernis abgestellt zu werden.

Ich kenne die tieferen BeweggrĂŒnde des Inhabers nicht, und der Artikel sagt auch nichts ĂŒber die juristischen Folgen der völlig absurden Anzeige, die ein einzelner Student wegen Beleidigung seiner Person gestellt hat. Wie kann eine Einzelperson durch den Namen eines GeschĂ€fts beleidigt werden? Wenn ich ĂŒber meine HaustĂŒr HAUS ZUM MOHREN schreibe, dann beleidige ich diesen Studenten oder beliebige andere Einzelpersonen? Wie absurd mĂŒssen die VerhĂ€ltnisse eigentlich werden, bis die AbsurditĂ€t in vollem Umfang wahrgenommen wird? Da ist doch eigentlich keine Steigerung mehr möglich.

Daß es heutzutage reicht, daß irgendein beliebiger Mob sich zur Community formt, um dann durch massives soziales Pressing, also eine widerliche Form der GewaltausĂŒbung, andere Menschen zu zwingen, sich nach ihrem Wunsche zu deformieren und zu verrenken, finde ich in allerhöchstem Maße erschreckend!

Wann treten wir diesem Schwachsinn und dieser Bösartigkeit endlich einmal klar entgegen? Was soll man sich noch alles bieten lassen von Leuten, die glauben, ausgerechnet ihre moralischen und ethischen Vorstellungen seien das Maß aller Dinge? Und sie alleine hĂ€tten das Recht zu entscheiden, welche Moral- und Wertvorstellungen hierzulande gelten?

Ich habe gerade keinen Eimer neben mir, deswegen muß ich das Thema beenden, bevor ich mir den Fußboden versaue.

PS: Trotz weiterer Recherche habe ich bislang nicht herausfinden können, ob die Anzeige schlußendlich von einem Gericht bearbeitet wurde. Daher könnte es sein, daß alleine der Eingang der Anzeige dazu gefĂŒhrt hat, daß die Umbenennung durchgefĂŒhrt wurde.

Sollte das so sein, dann wĂ€re das ein jĂ€mmerliches Einknicken vor dem bornierten Verhalten eines Einzelnen und der Drohung mit empfindlichen Übeln seitens einer anonymen Community sowie des nicht anonymen Migration Hub.

Auch die Berichterstattung seitens heidelberg24.de ist absolut kritikwĂŒrdig:

“Nach Rassismus-Klage” klingt, als ob die Klage gefĂŒhrt worden wĂ€re, worĂŒber ich aber nichts herausgefunden habe und daher glaube, daß es bei der Anzeige geblieben ist. Außerdem, was noch schlimmer ist, wird so getan, als sei rassistisches Verhalten angezeigt worden, was aber gar nicht der Fall ist! Es ist eine Anzeige wegen Beleidigung gewesen. Das ist wohl ein kleiner Unterschied.

Verbreitete Fehler im Deutschen

Den Versuch einer Numerierung gebe ich hiermit auf und bleibe bei der Überschrift, wie Ihr sie jetzt hier seht.

Soeben habe ich diesen Satz gefunden:

Beim Übergang vom optisch dichteren ins optisch dĂŒnnere Medium wird aber einem bestimmten Grenzwinkel der gesammte Strahl reflektiert, dies nennt man Totalreflexion.

Das Gesamte umfaßt zwar alle Elemente einer Menge im Sinne von alle zusammen, aber gesamt hat nichts mit zusammen zu tun. Erstaunlich, daß man solche Fehler, die man eher einem ViertklĂ€ssler zutraut, auf einer Plattform namens learnattack.de findet, die ja gerade behauptet, SchĂŒler zu unterstĂŒtzen. Mit solch einem Lektorat erweist man seiner Klientel allerdings einen BĂ€rendienst.
Übrigens ist der Satz erst so richtig:

Beim Übergang vom optisch dichteren ins optisch dĂŒnnere Medium wird ab einem bestimmten Grenzwinkel der gesamte Strahl reflektiert, dies nennt man Totalreflexion.

Verbreitete Fehler im Deutschen, Teil 4 von ?

Er schliff das Messer, danach war es geschliffen.

Er schleift das Stromkabel durch zum Wechselrichter. Das Kabel wird also durchgeschliffen, Àh, nein, wirklich nicht! Es wird durchgeschleift, Leute!

FrĂŒher hat man Festungen geschleift: Der Feldherr ließ die Festung schleifen. Danach war sie geschleift, nicht geschliffen.

Er frĂ€ste den Asphalt, danach war der Asphalt gefrĂ€ĂŸt. NEIN! Er wurde und war dann gefrĂ€st! Es heißt ja auch FrĂ€se, nicht FrĂ€ĂŸe!

Der Hund frĂ€ĂŸe das Futter, wĂŒrde es ihm schmecken. Das ja.

 

Keithley DMM6500: Firmware-Update auf 1.7.5b

Ich habe des öfteren nach Firmware-Updates fĂŒr das Keithley DMM6500 gesucht (auch mit den Suchwörtern latest, newest etc.) und dabei immer nur die Version 1.7.3c gefunden. ZufĂ€llig habe ich aber jetzt erfahren, daß es hier

https://de.tek.com/sitewide-content/software/m/o/d/model-dmm6500-firmware-revision-175-and-release-notes

eine neuere Version gibt, nĂ€mlich die 1.7.5b. Auf dieser Seite findet Ihr den Link fĂŒr den Download (Registrierung und Login ggf. erforderlich).

Leider sind auch die Suchfunktionen auf den Tektronix- und Keithley-Sites nicht sonderlich gut, sodaß ich dort auch keinen Erfolgt hatte. Ich hoffe, daß man vom nĂ€chsten Update auf einfachere und zuverlĂ€ssige Weise erfahren wird.

[Stand des Artikels: 2021-04-03]

PS von 2021-05-21: Es gibt jetzt die Version 1.7.7b, veröffentlicht als 1.7.7. Die Suchfunktion bei Tektronix spielt immer noch ein bißchen verrĂŒckt, aber mit etwas Geduld findet man die neue Version. Zum Beispiel ĂŒber diesen Link:

https://de.tek.com/product-support

Hier gibt man im Suchfeld DMM6500 ein und erhÀlt dann eine lÀngere Liste mit Supportdokumenten, in die die Firmwareversionen lose eingestreut sind. Relativ weit unten findet sich dann die 1.7.7.

Verbreitete Fehler im Deutschen, Teil 3 von ?

Jetzt schaue ich mir gerade ein Video ĂŒber das Thema Made in Germany an, und was fĂŒr Begriffe kommen so sicher wie das Amen in der Kirche?

Wertigkeit und wertig

Schmerz laß nach! Wer braucht das Wort Wertigkeit? Es drĂŒckt, soweit ich das nach dem Gebrauch des Wortes durch andere annehmen kann, nichts anderes aus als das schöne, alte Wörtchen Wert. Womit wir gleich bei wertig sind:

What the fuck?

Jedes Ding hat einen Wert. Wenn dieser niedrig ist, ist es minderwertig oder geringwertig, was auch immer. Ist er hoch, dann ist das Ding hochwertig. So funktionierte das schon immer. Aber heute kommen Leute daher und faseln:

“Das Ding fĂŒhlt sich wertig an.”

Alles fĂŒhlt sich wertig an, denn alles hat einen Wert, sei er hoch oder niedrig, daher muß ich fragen, fĂŒhlt es sich nun hoch- oder minderwertig an, denn wertig alleine klingt einfach nur scheiße, sagt aber zu allem Überfluß auch noch nichts darĂŒber aus, wie hoch der Wert nun ist.

Und warum muß man ein Wort wie Wert, das jeder versteht, durch zwei sinnlose Nachsilben verhunzen? Alleine die Konstruktion mit -ig und -keit lĂ€ĂŸt meine FußnĂ€gel sich aufkringeln! Mannomann!

 

 

 

Verbreitete Fehler im Deutschen, Teil 2 von ?

Eine ganz fĂŒrchterliche Wortschöpfung findet man in SĂ€tzen wie z. B.: “Diese Daten sind nicht zuordbar.” Ist das nicht grauenvoll? Zuordbar? Dieses Wort existiert ĂŒberhaupt nicht und hört sich einfach nur schauderhaft an. Warum wird es dann immer wieder benutzt?

Es liegt wohl daran, daß mancher drauflosredet, ohne sich vorher ĂŒber die Struktur seines Satzes im klaren zu sein. Es wĂ€re so einfach, den Sachverhalt korrekt zu formulieren: “Diese Daten können nicht zugeordnet werden”. Oder “Diese Daten lassen sich nicht zuordnen”.

Mitunter versteigen sich Leute sogar auf “Die Zuordbarkeit ist hier nicht gegeben”. Da sage ich nur noch: “Das tut weh”! Und dabei will ich es hiermit auch belassen.

Verbreitete Fehler im Deutschen, Teil 1 von ?

Gerade eben sehe ich ein Video auf einer der zahlreichen, populĂ€ren Videoplattformen, die es so gibt (also Youtube), in dem jemand sagt: “Nummer eins, Thema BitsĂ€tze, Nummer zwei, das Thema SĂ€geblĂ€tter […], Nummer drei, das Thema Schleifmittel, und alles drei hat so seine TĂŒcken.”

Dazu kann man sagen, daß die Wortkombination alles drei immer, ich betone immer, falsch ist. Es gibt keine Konstellation, in der alles drei richtig sein könnte. Trotzdem wird diese Kombination immer und immer wieder benutzt.

Das einfĂŒhrende Zitat lautet korrigiert natĂŒrlich so: “Nummer eins, Thema BitsĂ€tze, Nummer zwei, das Thema SĂ€geblĂ€tter […], Nummer drei, das Thema Schleifmittel, und alle drei haben so ihre TĂŒcken.”

Diese Deklinationsfaulheit, die man heutzutage oft vorfindet, verbreitet sich pestartig (heutzutage mĂŒĂŸte man sagen coronaartig), z. B. in der Formulierung kein Bock. Es wird dann geschrieben (nicht nur gesagt): Ich hab kein Bock. Oder kurz: Kein Bock.

Kein Bock heißt aber praktisch nie, daß es keine Böcke mehr gibt, sondern daß irgendeine Person X keinen Bock auf irgendetwas bestimmtes hat. Es mĂŒĂŸte also heißen: Ich habe keinen Bock! Kurzform: Keinen Bock! Hört und liest man aber praktisch nie.

Toll sind in dem Zusammenhang auch Werbeslogans wie: Respekt, wer’s selber macht. Respekt hat man aber jemandem gegenĂŒber, das ist ein Dativ: Wem gegenĂŒber habe ich Respekt? Wer ist jedoch Nominativ. Um’s deutlich zu machen: Respekt dem Harry, der macht’s richtig! (Meiner Meinung nach gehört hinter so eine Aussage auch ein Ausrufezeichen, aber das nur am Rande.) Und nicht: Respekt der Harry, der macht’s richtig! Schwierig wird der Slogan durch den Nebensatz, aber um das aufzudröseln,  geht man einfach logisch vor. AusfĂŒhrlich wĂŒrde man schreiben: Respekt demjenigen, der’s selber macht. VerkĂŒrzt: Respekt dem, der’s selber macht. So wie in: Ehre, wem Ehre gebĂŒhrt. In unserem Fall: Respekt, wem Respekt gebĂŒhrt. Aber da das derjenige ist, der’s selber macht, kommt man gar nicht darumherum, das auch zu sagen: Respekt dem, der’s selber macht. (Respekt, dem’s selber macht, wĂ€re auch Quatsch!) Der Slogan von Toom ergibt also eigentlich ĂŒberhaupt keinen Sinn, die vorgenomme VerkĂŒrzung ist selbst bei grĂ¶ĂŸtem Wohlwollen ein klarer grammatischer Fehler. Aber im Krieg, in der Liebe und im Marketing ist ja anscheinend alles erlaubt. Dumm nur, daß das Marketing solchen Schwachsinn derart in unsere Lebenswirklichkeit einprĂ€gt, daß das GefĂŒhl fĂŒr korrekte Sprache immer mehr verlorengeht. Aber das fĂŒhrt jetzt zu weit…

Die ARD zensiert Kommentare ohne vernĂŒnftigen Grund!

Ich hĂ€tte heute morgen noch gesagt: Es kann nicht sein, daß die ARD Kommentare zensiert! Aber sie tut es, und zwar hier:

https://www.daserste.de/information/talk/maischberger/videos/maischberger-die-woche-video-598.html

Ich hatte mir erlaubt, mich ĂŒber das Gendern zu beschweren, was zwei Kommentatoren vor mir auch bereits getan hatten. Und ich bin dabei höflich und anstĂ€ndig geblieben in meiner kritischen Anmerkung. Ein weiterer Kommentar von mir, der sich auf ein anderes Thema bezog, wurde durchgelassen, der mit der Kritik am Gendern aber nicht.

Unglaublich! Das muß ich jetzt erstmal verdauen…