Monthly Archives: February 2017

Liebe Ällinnen und Alle!

Totalitarismus des politically correct speech

Ich bin hilflos!

Von allen Seiten str├Âmt es auf mich ein, dieses unertr├Ągliche Ph├Ąnomen! Es kommt gedruckt, es kommt aus dem Radio hinein in den Geh├Ârgang, es kommt ├╝ber den Fernseher, der dem Ton das Bild hinzuf├╝gt, aber leider gibt es keine Bilder ohne Ton, es sei denn, man dreht ihn ab, Ton ohne Bilder gibt es aber schon, well established, they call it radio, aber die Bilder sind nicht das Schlimme, das Entsetzliche ist die Sprache.

Da kommen Filme, die hei├čen z. B. 300 Worte Deutsch. Aber oje, gemeint sind 300 W├Ârter Deutsch, nicht Worte. Und das, obwohl es in diesem Film unter anderem um die Abhaltung von Deutschkursen f├╝r Ausl├Ąnder geht. Sprache wird also richtiggehend thematisiert, aber nicht einmal f├╝r einen korrekten Filmtitel reicht es.

Vor ein paar Tagen lief eine Sendung auf SWR2, in der es irgendwie um das Dritte Reich ging. Das Thema ist mir nicht mehr in Erinnerung, aber der permanente Gebrauch der Redewendung Menschen j├╝dischen Glaubens, der ist mir sehr gut erinnerlich. Ich dachte erst: Was schw├Ątzt der so geschwollen? Aber dann wurde mir klar, da├č er politically correct sprach. Er wollte es vermeiden, von Juden zu reden. Dann h├Ątte er, so hat es ihm sein Wahn wohl eingefl├╝stert, von J├╝dinnen und Juden reden m├╝ssen. Glaubte er, wie gesagt, denn er mu├č es nicht! Die deutsche Sprache kennt Archilexeme, die sind dazu da, die Sprache zu ├Âkonomisieren, das Denken effizienter zu machen! Man kann von Werkzeug reden, ohne den Schraubenzieher, ich bitte um Entschuldigung, ich meine nat├╝rlich den Schraubendreher, den Hammer, den Schraubenschl├╝ssel, den Hobel und was da alles sonst noch so rumfliegt, erw├Ąhnen zu m├╝ssen. Man sagt Werkzeug und die Sache ist erledigt.

Aber jetzt kommt ja demn├Ąchst die neue Auflage von Poppers Die offene Gesellschaft und ihre Feinde auf den Markt. Sie wird Die offene Gesellschaft und ihre Feindinnen und Feinde hei├čen.

Luhmann wies ja schon auf die korrekte Form bei der Benennung von S├Ąuglingen hin: S├Ąuglinginne und S├Ąuglinge, denn DER (!!!) S├Ąugling ist ja m├Ąnnlich (immer, auch wenn er ein M├Ądchen ist), und das geht nicht mehr.

Ich sehe durchaus ein, da├č ein Negerku├č nicht mehr so angesagt ist heutzutage. Und ich sehe ein, da├č man Eskimos nicht mehr so nennen sollte, sondern Inuits, und Lappen nicht mehr so, sondern Samen oder Sami. Aber das l├Ą├čt sich auch gescheit begr├╝nden! Zu Feinden aber Feindinnen und Feinde sagen zu m├╝ssen, anstatt es bei Feinden zu belassen, das ist nur noch bescheuert.

Daniel Scholten to the rescue!

Daniel Scholten hat das gro├če Verdienst erworben, sich fachlich (!!!) als Linguist mit der Frage der grammatischen Geschlechter auseinanderzusetzen und f├╝r die indogermanischen Sprachen eine hervorragende, einzigartige Analyse ausgearbeitet zu haben, nachzulesen in seinem Werk

Denksport Deutsch

Hier gibt es dieses Buch:
https://www.hugendubel.de/de/buch/daniel_scholten-denksport_deutsch-26062467-produkt-details.html

Hier gibt es Informationen ├╝ber die Person:
https://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Scholten

Sein ├╝beraus empfehlenswertes Blog:
http://www.belleslettres.eu/

Das Schlimme ist, da├č sich Menschen zu Richtern und Erkl├Ąrb├Ąren der deutschen Sprache emporschwingen, die von Sprache und von der deutschen im Speziellen ├╝berhaupt keinen blassen Dunst haben. Im Gegensatz zu diesen verf├╝gt Scholten ├╝ber Wissen ├╝ber das, wor├╝ber er redet und schreibt.

Heute morgen hie├č es in einem Interview auf SWR1, es k├Ąme auf bewu├čte Sprache an, um hate speech und der Verrohung der Sprache entgegenzuwirken, dazu geh├Âre eine Gender-bewu├čte Sprache, man solle also nicht Fl├╝chtlinge sagen, sondern Fl├╝chtende. Was soll das bringen? Der Singular ist in beiden F├Ąllen grammatisch m├Ąnnlich: Der Fl├╝chtling, der Fl├╝chtende. Gut, man kann auch die Fl├╝chtende sagen. Und das rei├čt’s jetzt raus? Au├čerdem: Nach meinem Sprachgef├╝hl ist eine Gruppe von Fl├╝chtlingen, die im Stadtpark sitzt, etwas anderes als eine Gruppe Fl├╝chtender, die stelle ich mir n├Ąmlich eher vor, wie sie gerade mit Plastikt├╝ten voll Geld aus der Bank rennen.

Das Soziologiemagazin habe ich jetzt abbestellt und das letzte Exemplar wutentbrannt in den Müll geworfen, weil man bombardiert wird mit diesem Schrott aus Bürgerinnen und Bürgern, Ärzt_innen und wie diese schwachsinnigen Schreibweisen noch so alle daherkommen.

Ich bin kein Rassist, weil ich von Migranten rede anstatt von Migrantinnen und Migranten! Ich bin kein Frauenfeind, weil ich von B├╝rgern rede! Und ├╝berhaupt, was soll diese beschissene Dichotomie? Ist da nicht auch st├Ąndig die Rede von LGBT usw.? Schauen Sie sich mal den Wikipedia-Artikel zu dem Thema an:

https://de.wikipedia.org/wiki/LGBT

Ist dieser Buchstabenbaukasten, der dort dargestellt wird, ernstgemeint oder schon Satire???

Und wenn ich st├Ąndig das weibliche Geschlecht mit dazunehmen mu├č, warum nicht auch die Transsexuellen? Was ist mit denen, die ├Ąu├čerlich Mann oder Frau sind, genetisch aber nicht? Was ist mit denen, deren Hormonhaushalt nicht mit den Normwerten ├╝bereinstimmt? Mu├č ich die nicht auch alle irgendwie mit hineinnehmen? Warum nur die klar definierten M├Ąnner und Frauen?

Was ist mit den M├Ądchen? Geh├Ârt dieses Wort nicht getilgt aus unserer deutschen Sprache? Welcher Misogyne hat sich das ausgedacht? Er nahm der Magd ihr Geschlecht und machte sie zum M├Ądchen. Es gibt viele, die aus mangelndem Sprachgef├╝hl heraus Dinge sagen wie: Das M├Ądchen hat ihre Haarspange verloren. Mein Sprachgef├╝hl (und die Regeln der Grammatik ebenso) sagt mir aber, da├č das falsch ist. Es hei├čt: Das M├Ądchen hat seine Haarspange verloren. (Dieser Fall zeigt doch z. B. jenseits von jedem Zweifel, da├č das grammatische Geschlecht nichts, aber auch rein gar nichts mit dem nat├╝rlichen, biologischen Geschlecht eines Lebewesens gemein hat. Wir m├╝ssen Hauptw├Ârter f├╝r Menschen, Tiere und Pflanzen bilden sowie f├╝r unbelebte Sachen. Zuf├Ąllig haben viele belebte Dinge ein nat├╝rliches Geschlecht, aber das ├Ąndert nichts daran, da├č Grammatik und Biologie einen Schei├č miteinander zu tun haben.)

Aber nicht einmal zu dieser einfachen Analyse und Feststellung ist man heutzutage noch f├Ąhig. Sprache wird verbogen und versaut unter dem totalit├Ąren Terror der Korrekten, der Inhaber der Deutungshoheit von Sprache!

Die Evangelisten dieses Irrsinns (so nennen die Nordamerikaner ja die hervorgehobenen Vertreter irgendwelcher Ansichten, die ich eher als Rattenf├Ąnger bezeichnen w├╝rde) wollen ja aus dem Sprachgebrauch ablesen, was in den K├Âpfen der Menschen vorgeht! Wer nicht liebe B├╝rgerinnen und B├╝rger oder liebe Mitb├╝rgerinnen und Mitb├╝rger sagt anstatt einfach liebe Mitb├╝rger, wer nicht unsere W├Ąhlerinnen und W├Ąhler sagt statt unsere W├Ąhler, der spricht nicht nur falsch, der denkt auch falsch. Und ich glaube, das Soziologiemagazin w├╝rde einen Artikel in korrektem Deutsch gar nicht annehmen oder sie w├╝rden ihn kaputtredigieren mit ihrem Sprachterror.

Wenn ich also von Migranten rede oder von Fl├╝chtlingen, dann meine ich alle. Dazu geh├Âren, f├╝r diejenigen unter Ihnen, die das Wort alle nicht kennen, M├Ąnner, Frauen, Kinder, und zwar m├Ąnnliche und weibliche Kinder, auch Kinder mit Hodenhochstand und femininer Pr├Ągung, Stoffwechselkranke m├Ąnnlichen, weiblichen und nicht eindeutig bestimmbaren Geschlechts, Kr├Ąnkinnen und Kranke, auch S├Ąuger, oder soll ich doch besser S├Ąuglinginnen und S├Ąuglinge sagen… und was wei├č ich noch alle, ALLE eben!

Oder schreibt man das ohnehin schon entsetzliche liebe Alle jetzt auch als liebe Ällinnen und Alle?