Monthly Archives: April 2017

Monitor zur Autobahnprivatisierung

Das verlinkte

Video bei Youtube

zeigt die Reaktionen von drei Politikern gegen├╝ber einer Journalistin des WDRs. Ich empfehle dringend, sich auch das ganze Video anzuschauen, noch findet es sich in der Mediathek:

http://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-autobahnprivatisierung-der-schlingerkurs-der-spd-100.html

Das Verhalten dieser drei, Oppermann, Kauder und Dobrindt, ist an Arroganz und D├Ąmlichkeit nicht zu ├╝bertreffen! Was glauben die eigentlich, f├╝r wen sie arbeiten und von wem sie ihr Geld bekommen? Dieses autokratische, der Demokratie Hohn und Spott entgegenbringende Verhalten ist ein unw├╝rdiges, widerliches und ekelerregendes Spektakel. Wenn sich jemand mir gegen├╝ber so verhalten w├╝rde, k├Ânnte ich den Drang, ihm in die Fresse zu hauen, nicht unterdr├╝cken.

Dranbleiben!

Dranbleiben hei├čt es in der letzten Flaschenpost von Futur Zwei, der Stiftung Zukunftsf├Ąhigkeit. Das will ich gerne tun! Und zwar am Thema totalit├Ąrer Gebrauch von Sprache. Der ist f├╝r mich dann gegeben, wenn ich mich nicht mehr sprachlich so ├Ąu├čern kann, wie das nach den anerkannten Regeln der deutschen Sprache richtig ist, ohne mich ideologisch verd├Ąchtig zu machen.

Die ideologisch motivierte Schreibe zu lesen bedeutet auch eine Form des Sich-unterwerfen-m├╝ssens unter einen Sprachgebrauch, der mich zutiefst abst├Â├čt.

Die F├Ąlle von sprachdiktatorischen Verbiegungen und Verzerrungen in der letzten Flaschenpost waren folgende:

  1. “Heute, da m├╝ssen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler f├╝r das, was sie tun, durch die Stra├čen marschieren.”
    Interessanterweise lautet der Satz davor: “Zum Beispiel galten Gelehrte noch etwas, weil sie gelehrt waren und darum wahre Worte, Erkenntnisse und Fakten hervorbrachten.”
    Warum steht da nicht:┬áZum Beispiel galten weibliche und m├Ąnnliche Gelehrte noch etwas, weil sie gelehrt waren und darum wahre Worte, Erkenntnisse und Fakten hervorbrachten? Obwohl es doch DER Gelehrte hei├čt, das mu├č doch korrigiert werden!
  2. “Eine rohstoffsensible Studierendengruppe bastelt deshalb an einfachen L├Âsungen, die die Ger├Ąte beherrschen l├Ąsst, wer sie benutzt.”
    Der Student: Das geht nicht! Obwohl die deutsche Sprache eindeutig und v├Âllig frei von jeglichem Zweifel hier beide Geschlechter meint, mu├č aus der Student┬áder Studierende┬ágemacht werden. Was, zur H├Âlle, ist denn daran jetzt besser? Kann mir das einer von diesen Sprachverbiegern mal erkl├Ąren? Was ist besser an einer Studierendengruppe als an einer Studentengruppe? Was, zum Teufel, soll dieser Schwachsinn?
  3. Hier ein Beispiel, wo die sprachtotalit├Ąre Korrektur ausgeblieben ist, weil anscheinend eben doch niemand, mag er noch so ideologisch getrieben und motiviert sein, derartigen Schwachsinn durchhalten kann:
    “Bildungsaktive, die eine andere Zukunft besingen, fragen sich nun, wie denn BNE und transformative Bildung den Einzelnen weiser machen ÔÇô und ob das dann die ganze Gesellschaft erreicht.”
    Den Einzelnen steht da! Nicht die und den Einzelnen.
  4. “Dann bietet ein Wochenende die Gelegenheit f├╝r Studierende und Berufsanf├Ąnger, Projekte auf den Weg zu bringen, die das Gemeinwohl mehren wollen.”
    Schon wieder die Studierenden! Studenten, verdammt noch mal!
  5. “Wer ernst machen will mit der gro├čen Transformation, der muss auch die Herausforderungen betrachten: wie den Umbau und Wegfall ganzer Branchen, die strukturell nicht-nachhaltig sind. Was geschieht dann mit den Arbeitnehmern?”
    Auch das ein Beispiel wie Nummer 3: “… der muss…” -> Warum nicht der oder die mu├č? Und: “… mit den Arbeitnehmern”! Warum nicht mit den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen? Das w├Ąre dann wohl zuviel des Schwachsinns, oder? Richtig!
  6. “Das zeigen B├╝rgerinnen, Unternehmen, Kinderg├Ąrten, Freundeskreise, indem sie drau├čen zum Feiern einladen.”
    Ja, in dem Beispiel ist ein Druckfehler verborgen! Sehen Sie ihn? Es mu├č B├╝rgerInnen hei├čen!

Nee, das war jetzt ein Witz ­čÖé Ich bin doch ein Schelm ­čÖé

PS: Die ganzen anderen sprachlichen Fehler habe ich hier nicht diskutiert. Das w├╝rde dann ausufern.

Welzer, das Referendum und so weiter

Das Referendum in der T├╝rkei fand statt am 16.04.2017, dem Ostersonntag. Es bedeutet faktisch die Entmachtung des Parlaments und der Judikative. Die Exekutive f├Ąllt praktisch zu 100% an Erdogan, aus der Demokratie wird jetzt ein totalit├Ąrer Staat mit Alleinherrscher, der seine Feinde demn├Ąchst, so ist anzunehmen, auch juristisch einwandfrei, ja, demokratisch legitimiert, wird exekutieren k├Ânnen. (Ich bitte darum, da├č Sie auch das lesen, was zwischen den Zeilen steht!)

Nehmen wir einmal zwei Stufen an, die die Entfernung von rechtsstaatlichen Verh├Ąltnissen deutlich machen:

Stufe 1: Verhaftung von Regimegegnern, Entmachtung von Regimegegnern durch Berufsverbote, Entfernung aus verantwortlichen Positionen etc., Gleichschaltung der Presse. De facto sind zur Zeit ├╝ber 40.000 Personen in der T├╝rkei in Haft, ├╝ber 100.000 haben ihre Positionen verloren, z. B. Universit├Ątsprofessoren, Chefredakteure, Intellektuelle aller Art.

Stufe 2: Einf├╝hrung der Todesstrafe

├ťber die Einstellung der EU-Kommission habe ich geh├Ârt, da├č erst mit Stufe 2 ein Zustand erreicht ist, der den endg├╝ltigen Abbruch der Beitrittsverhandlungen erfordert. Oder sollte man sagen, erlaubt?

“Die EU-Kommission schwieg weitestgehend zur Zukunft der T├╝rkei als EU-Mitgliedstaat. Die Verfassungs├Ąnderungen ‘und insbesondere ihre praktische Umsetzung’ sollten im Lichte der Verpflichtungen der T├╝rkei als EU-Beitrittskandidat und als Mitglied des Europarats begutachtet werden, erkl├Ąrten die EU-Au├čenbeauftragte Federica Mogherini, der EU-Kommissar f├╝r Nachbarschaftspolitik, Johannes Hahn, und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker lediglich.”

Zitiert von http://www.spiegel.de/politik/deutschland/tuerkei-referendum-die-tuer-zu-einem-eu-beitritt-ist-endgueltig-zu-a-1143595.html

Peter Altmaier hat kurz nach dem Referendum erkl├Ąrt, es sei demokratische Gepflogenheit, jetzt erst einmal endg├╝ltige Zahlen abzuwarten:

http://www.deutschlandfunk.de/tuerkei-referendum-kanzleramtsminister-altmaier-reagiert.1939.de.html?drn:news_id=734109

“Kanzleramtsminister Altmaier sagte im ARD-Fernsehen, zum jetzigen Zeitpunkt m├╝sse man mit Schlussfolgerungen vorsichtig sein. Noch liege kein amtliches Endergebnis vor. Ob die Wahl fair verlaufen sei, w├╝rden Berichte der OSZE-Wahlbeobachter zeigen.”

Die Tatsache, da├č eine Demokratie au├čer Kraft gesetzt und durch eine Autokratie ersetzt wird, wird vollst├Ąndig ignoriert. Es ist leider ein Problem der Demokratien, da├č sie sich selber vernichten k├Ânnen. Dabei k├Ânnte man diesen Mechanismus der Selbstvernichtung au├čer Kraft setzen, indem man die Verfassung f├╝r sakrosankt erkl├Ąrt. Das ist aber leider nicht der Fall.

Wir Deutschen haben z. B. zur Zeit einen Innenminister, Lothar de Maizi├Ęre, der einem wichtigen Strukturelement des deutschen Staates kritisch gegen├╝bersteht:

https://www.tagesschau.de/inland/bka-gesetz-de-maiziere-verfassungsgericht-101.html

Hier steht: “Bundesinnenminister de Maizi├Ęre hat erneut Kritik am Bundesverfassungsgericht ge├╝bt – mit deutlichen Worten. Es sei nicht Aufgabe der Richter, ‘st├Ąndig dem Gesetzgeber in den Arm zu fallen’. Er bezog sich dabei auf die Rechtsprechung zu einer Reihe von Sicherheitsgesetzen.”

Ein merkw├╝rdiges Verst├Ąndnis von Verfassung und Verfassungsgericht! De Maizi├Ęre s├Ągt und kratzt genau an dem Schutzmechanismus herum, den unsere Demokratie dringend braucht. Ich erinnere an die Zeiten, in denen man Menschen verunglimpfte, die, so sagte man, mit dem Grundgesetz unter dem Arm herumliefen. Das tut de Maizi├Ęre mit Sicherheit nicht. Obwohl es die vornehmste Aufgabe eines Innenministers w├Ąre, genau das zu tun!

Damit sind wir beim politischen Ethos, das von Harald Welzer in seinem neuesten Buch Wir sind die Mehrheit angesprochen wird. Er schreibt bspw.:

“Menschen wie Pretzell und Seehofer, so l├Ą├čt sich unschwer erkennen, fehlt jeder Anstand, ja sogar das ganz normale moralische Grundger├╝st, das wir voneinander in modernen Gesellschaften erwarten.”

Ich empfehle, das B├╝chlein zu erwerben und selber nachzulesen, wie Welzer zu seiner Meinung kommt und wie er sie untermauert. Ja, wir Deutschen w├Ąhlen st├Ąndig und immer wieder Menschen in politische ├ämter, die einen grundlegenden Mangel an Geschichtsbewu├čtsein und Respekt vor unserer Verfassung aufweisen und/oder den moralischen Ma├čst├Ąben, die man anlegen sollte, schlicht nicht gen├╝gen.

Wir sehen am Beispiel Ungarns, wie die Spaltung der Gesellschaft der erste Schritt ist, um das Gewaltregime vorzubereiten. Die Spaltung der t├╝rkischen Gesellschaft, von der allenthalben die Rede ist, ist ein Kunstprodukt, gewolltes Ergebnis einer Politik, deren Ziel ein totalit├Ąrer Staat ist. Man beginnt, Menschen als Terroristen zu brandmarken, als Feinde des Volkes, als Volksverr├Ąter und was die Phantasie noch so hergibt, gleichzeitig betont man, da├č H├Ąrte und Kompromi├člosigkeit die einzig richtige Vorgehensweise ist, um den Staat von dieser Krankheit zu heilen. Genau dieser Proze├č, dessen vorl├Ąufiges Endstadium wir in der T├╝rkei sehen, l├Ąuft auch in Ungarn seit einiger Zeit:

“Der nationalkonservative Regierungschef Viktor Orban hat Ungarn in den vergangenen zwei Jahren rasant umgekrempelt – der rechte Systemwechsel durchzieht alle Bereiche des ├Âffentlichen Lebens – auch die Kultur: Viele Intellektuelle wurden in den vergangenen beiden Jahren marginalisiert oder ├Âffentlich angefeindet. Nun verlassen immer mehr von ihnen Ungarn.”

Diese S├Ątze stammen vom Deutschlandfunk:

http://www.deutschlandfunk.de/kuenstler-auf-der-flucht.795.de.html?dram:article_id=207595

Der Artikel ist vom 01.06.2012! Er ist ein Beleg f├╝r die Anf├Ąnge, sozusagen die Grundsteinlegung der Totalitarisierung. Kritische Geister wie Intellektuelle und K├╝nstler werden als Erste diffamiert. Es wird ein entsprechendes Vokabular eingef├╝hrt, um den politisch Unbedarften und B├Âswilligen sofort eine klare Kommunikation ├╝ber politisch Mi├čliebige zu erm├Âglichen. Am Ende des Prozesses sind die Fronten gekl├Ąrt: Hier die Guten, die Rechten und Richtigen, dort die B├Âsen, die unrecht Handelnden und Falschz├╝ngigen. Knast und Todesstrafe drohen am Ende allen, die die Verh├Ąltnisse kritisieren.

Heute, am 18.04.2017, h├Âre ich im Radio, da├č es unter unseren Politikern folgende Meinungen gibt:

a) Man solle die EU-Beitrittsverhandlungen mit der T├╝rkei fortsetzen, es gebe keinen Grund, sie abzubrechen.

b) Man solle sie aussetzen. Wie lange? Vier Wochen? Vier Jahre?

c) Man solle sie beenden.

Wann wird der Versuch, auf die politischen Verh├Ąltnisse eines fremden Landes Einflu├č zu nehmen, zur Kollaboration? Wie weit tr├Ągt die Begr├╝ndung, man d├╝rfe den Dialog (welchen Dialog?) nicht abrei├čen lassen, wolle man noch Einflu├čm├Âglichkeiten bewahren? Was hat denn der Einflu├č bis heute gebracht? Die Autokratie ist jetzt da! Und sie wurde nicht verhindert. Ist die Vermutung, es handele sich um reine Heuchelei, b├Âswillig, dumm oder absurd? Nein, ich finde, sie liegt nahe.

Alleine der Versuch, die Entwicklung in der T├╝rkei als demokratischen Proze├č zu bezeichnen, l├Ą├čt in Bezug auf diejenigen, die so etwas behaupten, nur den Schlu├č zu, da├č entweder eine ganz tr├╝be kapitalistische Suppe gekocht wird oder man dieselben Verh├Ąltnisse auch hier eines Tages herstellen will. Oder beides.

De Maizi├Ęre f├╝hlt sich durch f├Âderalistische Strukturen behindert, das Verfassungsgericht wirft ihm bei seinen unrechtsstaatlichen Bestrebungen Kn├╝ppel zwischen die Beine! Da sage ich: Ja, klar! Der F├Âderalismus fordert uns einiges ab! B├╝rokratische Hemmnisse, Standardisierungshindernisse uvm. ABER: Je mehr demokratische Instanzen wir haben, desto besser f├╝r unsere Demokratie! Desto mehr Freiraum f├╝r kritisches Denken, abweichlerisches Verhalten, ├ťbungen im Ungehorsam gegen├╝ber Undemokraten!

Es lebe die Bundesrepublik Deutschland mit ihrer f├Âderalen Struktur, ihrem demokratischen Parlamentarismus, ihrer Gewaltenteilung und all diesem l├Ąstigen B├╝rokratenschei├č! Es lebe die Freiheit des Denkens, der Information, der Kritik!

Eine Frage…

Am 11. November 2016 erschien der Abschlu├čbericht der sogenannten Studie zum Zustand der sogenannten Generation What. Warum unter dem Titel das Datum in der Form

11. November, 2016

gedruckt ist, bleibt eine offene Frage an den Zustand unseres Schulsystems.

Viel wichtiger ist jedoch zu fragen, warum dieser M├╝llberg an Daten ├╝berhaupt ver├Âffentlicht worden ist. Von einer Studie zu sprechen, verbietet sich n├Ąmlich bei dem v├Âllig unwissenschaftlichen Vorgehen:

Wie die Verfasser des Berichts selber gleich zu Beginn schreiben, wurden die Teilnehmenden “nicht kontrolliert als Stichprobe aus einer Grundgesamtheit ausgew├Ąhlt”, sondern hatten sich freiwillig zur Teilnahme entschieden.

Bei einer wissenschaftlichen Studie wird eben aus guten Gr├╝nden vorab die Fragestellung definiert, die Grundgesamtheit bestimmt, die Gr├Â├če und Struktur (!) der ben├Âtigten Stichprobe errechnet und dann genau die Frage beantwortet, f├╝r die das Studiendesign entwickelt wurde. (Die Struktur war im vorliegenden Fall erstens gar nicht kontrollierbar und zweitens rein zuf├Ąllig.)

In diesem Online-Spektaktel ist all das nicht der Fall, denn diese sogenannte Studie “wurde entwickelt, um Nutzer mit Hilfe eines spielerischen und interaktiven Fragebogens dazu anhalten, ├╝ber sich selbst zu sprechen und ihre Meinung zu ├Ąu├čern”. (Eine Art Online-Fun-Projekt also…)

Da wurde so etwas wie ein Online-Game entwickelt, an dem sich beliebige Menschen emotional ein bi├čchen abarbeiten konnten, ohne jede Kontrolle dar├╝ber, wer da die Antworten eingegeben hat, in welchem Zustand, wie oft, unter welcher vorget├Ąuschten Identit├Ąt auch immer. Und am Ende wird gro├čkotzig von 160.000 Teilnehmern gesprochen!

Nein, von Nutzern. Sie schreiben tats├Ąchlich, es h├Ątten Nutzer teilgenommen. Warum nicht gleich User? Oder Userinnen? Klingt super, oder?

“Methodik und Stichprobenbeschreibung” nennen die Autoren drei kurze Abs├Ątze auf Seite 3 und eine kleine Tabelle auf Seite 4 f├╝r die Methodik und eine bunte Seite 5 mit Tortendiagrammen und einer prozentualen Verteilung in einer Tabelle f├╝r die Stichprobenbeschreibung. Unfa├čbar! (Alles nat├╝rlich in gro├čen Lettern, sch├Ân bunt, so richtig im Stil des responsiven Webdesigns: Knallbuntes Ballon-Layout ohne belastende Fakten.)

Von Methodik erkenne ich da nichts, da steht nur wolkiges Gefasel. Eine solche Untersuchung, die sich mit 160.000 Teilnehmern br├╝stet, aber ohne jegliche Methodik vorgenommen wird, ist eine Unversch├Ąmtheit sondersgleichen!

Die Frechheit schlechthin ist die Aussage im vorletzten Absatz auf Seite 3:

“Um eine ├╝ber alle Fragen hinweg gleichm├Ą├čige Stichprobe zu erhalten, wurden nur die F├Ąlle in die Analysen einbezogen, die h├Âchstens 20 Fragen unbeantwortet lie├čen.”

Und dann: “Um eine f├╝r die Altersgruppe repr├Ąsentative Stichprobe zu erlangen, wurde eine Randsummengewichtung durchgef├╝hrt”.

Man gibt also zu Beginn schon zu, da├č der Begriff Studie deplaziert ist, schmei├čt dann aber jede Menge wissenschaftliches Vokabular wie Nebelkerzen hinterher, um eben doch zu ├╝berdecken, da├č das Ganze ein Haufen gequirlte Schei├če ist.

Problematisch finde ich n├Ąmlich nicht zuletzt, die ├ľffentlichkeit mit zahllosen Aussagen aus dieser sogenannten Analyse zu konfrontieren, die allesamt keiner wissenschaftlichen Betrachtung standhalten, damit aber auf illegitime Weise eben Fakten zu schaffen, die im Nachgang kaum zu widerlegen sind.

Diese Studie ist genauso ein postfaktischer Quark wie das Getwittere von Trump. Beteiligt an diesem sicherlich nicht ganz billigen Bl├Âdsinn sind (was Deutschland angeht):

BR (Bayerischer Rundfunk)

SWR (S├╝dwestdeutscher Rundfunk)

ZDF (Zweites Deutsches Fernsehen)

Ein kommerzielles Unternehmen namens Sinus, Partner von Integral, Wien

Der sogenannte Abschlu├čbericht ist nicht einmal unterschrieben, kein einziger Autor wird namentlich genannt. (Ich h├Ątte mich auch geweigert, meine Unterschrift unter solch eine Schei├če zu setzen.)

Der BR schreibt auf seiner Website (Link):

Europ├Ąischer Abschlussbericht “Generation What?ÔÇť

Europas Jugend hat nur wenig Vertrauen in Politik und Institutionen

Was f├╝r eine Chuzpe! Man schreibt von einem europ├Ąischen Abschlu├čbericht! Als wenn das Ganze irgendwie von Europa legitimiert w├Ąre, am Ende ein Projekt der Europ├Ąischen Kommission w├Ąre. Nein, das Projekt wurde laut BR vom EBU koordiniert. Klingt ja toll, EBU! Wer wei├č denn, was das ist? Dazu mache ich mal eine Online-Studie!

Es ist die Europ├Ąische Rundfunkunion. Klar, man macht sich seine Inhalte eben im Zweifel auch mal selber. Nur weiter so. Als ich klein war, waren Journalisten f├╝r mich gro├čartige Menschen mit einem Beruf, der mir ehrenvoll und wichtig erschien, kultur- und verantwortungstragend. An der Bedeutung hat sich f├╝r mich nichts ge├Ąndert, vom Rest ist nichts mehr ├╝brig.

War da nicht was mit Armeniern?

In einem Artikel in Jungle World wird über den Kampf von Herero und Nama um Gerechtigkeit berichtet, einen Kampf, den sie jetzt über ein amerikanisches Gericht zu führen versuchen, nachdem die deutsche Bundesregierung sich über Jahrzehnte als zu feige erwiesen hat, sich der Diskussion und der Aufarbeitung zu stellen.

Allerdings gab es eine deutsche Kritik an der T├╝rkei: Sie stelle sich nicht ihrer historischen Verantwortung und w├╝rde einen V├Âlkermord nicht als V├Âlkermord bezeichnen.

Da werden andere kritisiert, aber hier bei uns spielt sich genau das Gleiche ab!

Merkel steht ja zu nichts von beidem: Weder zur Kritik an der T├╝rkei, geschweige denn zu der an Deutschland.

M├Âge sich der geneigte Leser selber ein Bild davon machen.

Denksport Deutsch von Daniel Scholten: Errata

Auf Belleslettres hei├čt es seit geraumer Zeit, es seien in Denksport Deutsch bislang zwei Fehler entdeckt worden, drei werden dann, wenn man dem Link folgt, gelistet. Ich habe eine Liste von Textstellen an Belleslettres geschickt, die ich f├╝r korrekturbed├╝rftig halte, da sie weder beantwortet noch bearbeitet wurde, stelle ich sie hier zur Kenntnisnahme ein. Vor der Korrektur steht jeweils ein Pfeil ->.

S. 33
Die Sprache des Rigvedas liegt in seiner Entwicklung…
-> Die Sprache des Rigvedas liegt in ihrer Entwicklung…

S. 46
Die Sprechf├Ąhigkeiten Ihres Computers gleichen dem von einem Orang-Utan.
-> Die Sprechf├Ąhigkeiten Ihres Computers gleichen denen von einem Orang-Utan.
Ich w├╝rde allerdings hier doch lieber den Genitiv verwenden: … denen eines Orang-Utans.

S. 49
Die Geschwindigkeit sei der Quotient von Strecke durch Zeit und nicht das Produkt.
-> Die Geschwindigkeit sei der Quotient von Strecke und Zeit und nicht das Produkt.
Der Quotient dr├╝ckt das durch bereits aus, daher ist hier und richtig.

S. 50
Nicht nur die Datierung, sondern auch alles andere, was wir ├╝ber sie wissen, haben wir allein durch die Rekonstruktion ihrer Sprache erfahren, dem Urindogermanischen.
-> Nicht nur die Datierung, sondern auch alles andere, was wir ├╝ber sie wissen, haben wir allein durch die Rekonstruktion ihrer Sprache erfahren, des Urindogermanischen.
Ich wei├č, da├č Herr Scholten hier den Genitiv meiden will zugunsten der Konstruktion mit von dem. Da aber das von hier nicht auftaucht, klingt der Dativ f├╝r mich hier unangebracht.

S. 67
“Ihre Papiere bitte!”
-> “Ihre Papiere, bitte”

S. 70
… ohne zu bemerken, dass das der weiblich Plural ist…
-> … ohne zu bemerken, dass das der weibliche Plural ist…

S. 73
Spin-of
-> Spin-off

S. 95
Wie konnte es dort ein Buchenwort geben, von dem unsere Buche, lateinisch fagus und griechisch phegos abstammen?
-> Wie konnte es dort ein Buchenwort geben, von dem unsere Buche, lateinisch fagus und griechisch phegos, abstammt?

S. 101
Im Deutschen bezeichnen wir Personen als Herrschaften, die ehemals als Bediente die Eigenschaft der Herrschaft auszeichneten.
-> Im Deutschen bezeichnen wir Personen als Herrschaften, die ehemals als Bediente die Eigenschaft der Herrschaft auszeichnete.

S. 122
Uns kommt es heute so vor, dass Latein…
-> Uns kommt es heute so vor, als ob Latein…

S. 162
den Opfern
-> der Opfern

wegen seiner Taten
-> wegen seinen Taten

S. 167
… und sich fortan in komplexen Gr├╝beleien verstiegen…
-> … und sich fortan in komplexe Gr├╝beleien verstiegen…

… f├╝r die wir Deutsche…
-> … f├╝r die wir Deutschen…

S. 180
Das Wort Raffinesse existiert meines Wissens nicht, ich glaube, es gibt nur Raffinement und Finesse. Kann man nat├╝rlich lange diskutieren, ob es etwas nicht geben kann, was viele Leute benutzen…

S. 213
Wir Deutsche…
-> Wir Deutschen…
Kann man diskutieren, ich wei├č.

S. 305
Punkt 7; Das Germanisch von Rhein und Weser…
-> Das Germanische von Rhein und Weser…

Richtig w├Ąre hier gewesen, auch Slawische -> Slawisch zu erw├Ąhnen. Und ob man das Germanisch oder das Germanische sagt, ist sicher auch Geschmackssache.