Monthly Archives: December 2018

Das Intellektuelle Dark Web und die NZZ, genauer: Herr Lobe

Die NZZ, mit Sicherheit kein Teil des Intellectual Dark Web, hat vor einiger Zeit einen Artikel im lichten Web ver√∂ffentlicht, der mich einigerma√üen verbl√ľfft hat. Wer ihn jetzt lesen mag, bevor er meinen Text weiterliest, kann das hier tun:

https://www.nzz.ch/feuilleton/sie-handeln-nicht-drogen-sondern-gefaehrliche-gedankenware-ld.1384912

Die √úberschrift ist clickbaiting at its best! Es ist gef√§hrliche Gedankenware, um die es hier geht. Uh, welch wohliger G√§nsehautschauer geht mir da den R√ľcken hinunter. Das ist ja fast wie bei Edgar Wallace!

Aber mal im Ernst, wird in diesem Artikel irgendwann Butter bei die Fische getan? Um es mit den Worten Adrian Lobes zu sagen: Mal schauen!

Als erstes kommt ein sinnloses, absolut bescheuertes Symbolbild. So nennt man die Bel√§stigung mit gestellten, retuschierten Fotos aus Fotodatenbanken, die mittlerweile zu jedem Zeitungsartikel geh√∂ren. Sie sagen: Wir waren zu faul oder zu bl√∂d, authentisches Material mitzugeben, deswegen klatschen wir euch diesen M√ľll hierhin, pa√üt schon!

Herr Lobe steigt ins Thema ein, indem er uns erstmal erkl√§rt, was wir mit dem Dark Web assoziieren, aber das wu√üte ich schon. Er schreibt dann weiter: “Unter dem Rubrum ¬ęIntellectual Dark Web¬Ľ (IDW) hat sich nun aber in den USA ein Netzwerk von Intellektuellen formiert, die keine Waffen oder Drogen handeln, sondern Gedankenware an den Gatekeepern etablierter Medien vorbei in den √∂ffentlichen Diskurs schleusen.”

Gatekeeper etablierter Medien… Sie schleusen Gedankenware in den Diskurs… Menetekelnd und merkw√ľrdig raunend geht es weiter: Klandestiner Handel mit Ideen.

Herr Lobe kommt selber ziemlich klandestin daher. Was will er uns sagen? Daß es da Leute gibt, die auf irgendeine Weise kommunizieren, sich gegenseitig kennen und gefährliche Dinge in den nicht näher definierten öffentlichen Diskurs einbringen wie Fluor in Trinkwasser?

Nachdem er wenig spezifische und ebensowenig substantielle (anderswo abgeschriebene) Feststellungen √ľber Eric Weinstein u. a. getroffen hat, folgt ein Abschnitt, √ľberschrieben mit Ideologische Orte. Und das ist jetzt nat√ľrlich ein guter Punkt: Es geht um Ideologie.

Behauptet Herr Lobe. √úber Weinstein schreibt er jetzt: “Wenn er sich in der Fachwelt kein Geh√∂r verschaffen kann, dann eben auf der Cyberagora, deren Community andere erkenntnistheoretische Ma√üst√§be anlegt.” [Rechtschreibung und Grammatik von mir korrigiert.]

Als wer, bittesch√∂n? Die nicht n√§her definierte Fachwelt entscheidet, was erkenntnistheoretisch von Interesse ist. Das Wort anders gen√ľgt, um zu diskreditieren. Aber ich bin froh, da√ü ich anders bin als Herr Lobe.

Weiterhin schreibt er in Anf√ľhrungszeichen, was er √ľbersetzt hat, einen Text von Eric Weinstein, der im Original so lautet:

“You have to understand that the I.D.W. emerged as a response to a world where perfectly reasonable intellectuals were being regularly mislabeled by activists, institutions and mainstream journalists with every career-ending epithet from ‚ÄėIslamophobe‚Äô to ‚ÄėNazi‚Äô.”

Ich √ľbersetze das so: “Sie m√ľssen verstehen, da√ü das IDW erwuchs als eine Antwort auf eine Welt, in der absolut vern√ľnftige Intellektuelle regelm√§√üig von Aktivisten, Institutionen und Mainstream-Journalisten mi√üinterpretiert und mit allen m√∂glichen karrierebeendenden Beinamen von Islamophober bis Nazi belegt wurden”.

Man kann √ľber √úbersetzungen streiten, aber perfekt r√§sonierende Intellektuelle anstatt absolut vern√ľnftige? Hier zeigt Herr Lobe ausnahmsweise Kreativit√§t.

Im weiteren Verlauf stellt er dar, daß die Mitglieder des IDW nicht in den klassischen Medien vorkommen, aber große Resonanz in den neuen digitalen Medien finden. Das kann man unbestritten stehen lassen. Aber was ist mit Sätzen wie diesem hier?

“Peterson gei√üelt den Egalitarismus und Genderismus in westlichen Gesellschaften und beglaubigt dieses Denken mit biblischen Quellen.” [Rechtschreibung korrigiert.]

Peterson geißelt (wie ein religiöser Fanatiker), beglaubigt und verwendet biblische Quellen. Laut Lobe.

Ich behaupte: Herr Lobe hat sich √ľberhaupt nicht ernsthaft mit Peterson, seinen Auftritten, B√ľchern, Aussagen etc., befa√üt, er schreibt nur irgendwo ab, verwendet Stanzen und tut so, als h√§tte er Wissen √ľber das, was er hier zu beschreiben versucht.

Seine Ahnungslosigkeit will er kaschieren, indem er auf der emotionalen Ebene negative Assoziationen sch√ľrt, um Peterson in ein schlechtes Licht zu stellen.

Der ganze Artikel gipfelt dann in folgendem: “Die Verlinkungsstruktur des World Wide Web, in dem sich auch allerlei Unrat wie Verschw√∂rungstheorien und Ha√ükommentare verf√§ngt, mag ein Webfehler sein. Das Internet ist aber noch immer ein Ort, wo Ideen jenseits geistiger Protektionismen wie Denkverboten und Sprachregelungen frei flottieren k√∂nnen.” [Rechtschreibung korrigiert.]

{Randbemerkung: Im WWW verfängt sich auch so etwas wie die NZZ. Aber das mit dem Webfehler ist ein toller Sprachwitz, englisch pun. Das ist sowas von witzig, das werde ich noch meinen Enkelkindern erzählen. Wenn ich bis dahin dement genug bin.}

Und darin liegt das Gef√§hrliche, von dem die √úberschrift dr√§uend schwadronierte? Oder ist es die schwer zu beantwortende Frage, “ob die Protagonisten des IDW wirklich eine Gegen√∂ffentlichkeit schaffen wollen, von der alle profitieren, oder doch nur eine weitere Nische f√ľr Eingeweihte und Hartgesottene”? Liegt die Gefahr also in der Nische?

Herr Lobe beantwortet das nach dem Alarmismus, mit dem er seinen nichtssagenden M√ľll begonnen hat, mit einem lapidaren “mal schauen”.

Warum, Herr Lobe, haben Sie Ihren Artikel dann √ľberhaupt ver√∂ffentlicht? Und welchen Aufwand haben Sie betrieben, um diese Sammlung von Klischees, L√ľgen und Halbwahrheiten zu erz√§hlen √ľber einen Topos, von dem Sie soviel verstehen wie der Ochse vom Klavierspielen?

Mal schauen.

F√ľr alle, die wirklich (!) wissen wollen, was das Intellectual Dark Web ausmacht, empfehle ich dieses Video:

https://www.youtube.com/watch?v=PagNM_oxssE

 

WordPress 5.0 mit dem neuen Editor

Furchtbar!

Da hat man eine Software, ein Tool, ein Werkzeug, etwas, mit dem man jeden Tag arbeitet, und rumms, haut jemand ein Update rein, das keiner braucht. So WordPress: Mit der Version 5 wurde mir der Gutenberg-Editor √ľbergebraten, obwohl ich den schon vorab getestet und f√ľr schlecht befunden habe.

Links am Ende eines Artikels verschwinden im Nichts, aktualisierte Links werden nicht aktualisiert, man mu√ü sie l√∂schen und vollst√§ndig neu einf√ľgen, damit sie auf den neuesten Stand gebracht werden. Das ist v√∂llig inakzeptabel!

Mein Tip: Installiert Euch den Classic Editor als Plugin! Mir jedenfalls hilft es sehr, damit jetzt wieder ein Tool, ein Werkzeug, eine unverzichtbare Hilfe zu haben, die zuverlässig tut, was ich will!

Hoffentlich wird der Classic Editor weiter gepflegt bzw. so aufrechterhalten wie er ist! Ich danke den Entwicklern schon jetzt ganz herzlich daf√ľr!

Suggested reading

New York Times: https://www.nytimes.com/interactive/2018/12/10/business/location-data-privacy-apps.html

Worum geht’s? Um Anwendungen auf unseren Smartphones, deren Datenerhebungen und wer diese Daten erh√§lt, ohne da√ü wir davon Kenntnis erhalten! Hier ein Zitat aus dem Artikel:

At least 75 companies receive anonymous, precise location data from apps whose users enable location services to get local news and weather or other information, The Times found.

Übersetzt: Die NY-Times hat herausgefunden, daß mindestens 75 Unternehmen anonymisierte, genaue Aufenthaltsdaten von Applikationen erhalten, deren Benutzer die Ortungsdienste aktiviert haben, um lokale Nachrichten, Wetterberichte oder andere Informationen zu erhalten.

Jetzt werden manche sagen: “Ja, haha, anonymisiert, was juckt’s mich?” Aber das ist ein Irrtum. Es ist ein leichtes, wie ebenfalls in diesem Artikel aufgezeigt wird, die scheinbar anonymen Daten Individuen zuzuordnen. Das ist viel leichter, als man oft denkt.

Further reading: Surveillance Valley, by Yasha Levine

Link: https://amzn.to/2SFrACh