Norwegens Barnevern

Die norwegische Behörde Barnevern* (siehe PPS am Schluß des Artikels) ist mittlerweile berüchtigt. Man könnte hilfsweise sagen, daß sie so ungefähr dem deutschen Jugendamt entspricht, aber wir werden später noch sehen, daß das nicht so ganz hinhaut. 2016 griff Arte das Problem auf und strahlte diese Dokumentation aus, die auf Youtube angesehen werden kann:

Auf iPhones funktioniert der obige Link nicht, hier eine andere Linkversion:

https://www.youtube.com/watch?v=ePDr1JKzJKY

Ich habe eine Playlist angelegt, die einige Videos zum Thema zusammenfaßt:

Barnevern Playlist

Allerdings sind hier verschiedene Sprachen vertreten, vorrangig Deutsch, Norwegisch und Englisch. (Wenn es meine Zeit zuläßt, will ich versuchen, wichtige Dinge zu übersetzen.)

Wenn ich mir vorstelle, daß ich vor einigen Jahren mit meiner damals noch minderjährigen Tochter in Oslo war, und wir Dinge taten, die dem Barnevern mit Sicherheit nicht gefallen hätten, wird mir heute schlecht: Wenn man in ihr Fadenkreuz gerät, kassieren sie das Kind ein, ohne Rücksicht auf Verluste, denn sie sind die Guten, sie sind die Beschützer, sie sind die, die nur das Beste wollen, und sie haben die Polizei im Schlepptau! Da macht man keinen Stich!

Es ist sogar dokumentiert, daß der polnische Botschafter unter klarer Mißachtung internationalen Rechts (!) von der Polizei bei einem solchen Kindesentzug daran gehindert wurde, mit seiner Staatsangehörigen überhaupt zu sprechen, geschweige denn einzugreifen. Das Kind kam weg, der Botschafter wurde später ausgewiesen.

https://stepup4childrensrights.com/landesverweis-polnischer-konsul-muss-norwegen-verlassen/

Es gibt also innerhalb des Behördenapparats eine absolute Solidarität mit dem Barnevern, dessen Arbeit nicht in Frage gestellt wird. Und selbst als Ausländer ist man vor dem Zugriff nicht gefeit, wie mehrere Fälle beweisen!

Ich will nicht einmal ansatzweise den Eindruck erwecken, eine Behörde, die sich um den Schutz der Kinder kümmert, sei vom Grundsatz her etwas Falsches oder Schlechtes. Darum geht es nicht. Aber nehmen wir einmal Deutschland: Hierzulande ist die Wegnahme des Kindes die allerletzte Maßnahme, ultima ratio! Und es wird versucht, durch Hinzuziehung von Gutachtern, Juristen, Anwälten und durch Anhörungen des Kindes (wenn es denn alt genug ist), der Eltern, der Lebenspartner, sicherzustellen, daß man das Richtige tut!

In Norwegen weiß das Barnevern automatisch und immer, was das Richtige ist. Und tut es dann auch, mit welchem Einsatz an körperlicher oder emotionaler Gewalt auch immer.

Der Fall eines vierzehnjährigen Jungen, der gegen seinen Protest (er wollte bei den Eltern bleiben) in Handschellen in den Polizeiwagen verfrachtet wurde, in dem er dann geschrien und gegen die Fahrzeugwände getreten hat, ist keine Ausnahme.

Aus meiner Sicht geht das Barnevern unkontrolliert und ungebremst weit über das hinaus, was man unter Verweis auf das Kindeswohl bzw. dessen Gefährdung rechtfertigen könnte. Alleine die Dreistigkeit, selbst Staatsbürgern anderer Länder, z. B. USA, Polen, Bulgarien, um nur einige dokumentierte Fälle zu nennen, die zu Besuch nach Norwegen kommen, die Kinder zu entziehen, ist eine Ungeheuerlichkeit, die wirklich unter zivilisierten Staaten ohne Beispiel ist!

Und zum Schluß (nicht des Themas, lediglich dieses Artikels) will ich Euch ein paar Gründe übersetzen, die Marianne Haslev Skånland auf ihrer Homepage gelistet hat. Diese Gründe haben laut Ihrer Aussage genügt (bzw. wurden vom Barnevern vorgebracht), um Eltern ihrer Kinder zu berauben, und wie gesagt, das ist nur eine kleine Auswahl, der Link zur nicht vollständigen Liste auf Englisch folgt weiter unten:

(3)  Rene klær er ikke lagt i ‘militær orden’ i skapet. => Saubere Kleider liegen nicht militärisch geordnet im Schrank.

(4)  Psykologen registrerte at moren ikke kunne lage en omelett til hans tilfredshet og at hun skjærer for tykke brødskiver. => Dem Psychologen fiel auf, daß die Mutter nicht in der Lage war, ein seinen Ansprüchen genügendes Omelette auf den Tisch zu bringen, und sie schnitt zu dicke Brotscheiben ab.

(7)  Moren bruker for mye såpepulver når hun vasker. [Rapportert til barnevernet av en ‘hjemmehjelp’ som var blitt instruert av barnevernet til ikke å hjelpe med praktisk arbeid men å ‘observere’ familien.] => Die Mutter verbraucht zuviel Seifenpulver beim Waschen. [Eine Familienhilfe berichtete dies an das Barnevern. Sie war von der Behörde instruiert worden, keine praktische Hilfe und Arbeit in der Familie zu leisten, sondern sie zu observieren.]

(8)  Faren er for aktiv, og moren er for passiv. [Barnevernets observatører er skremmende nok til å få hvem som helst til å bli både det ene og det andre, av ren nervøsitet.] => Der Vater ist zu aktiv und die Mutter zu passiv. [Die Beobachter des Barnevern sind, schlimm genug, in der Lage, beide Eltern so nervös zu machen, daß sie mal das eine, mal das andere sind.]

(9)  Faren har en skade i foten og kan ikke stå på stige. Derfor kan han ikke rengjøre øverst over vinduene. => Der Vater hat eine Fußverletzung und kann daher nicht auf einer Leiter stehen. Aus diesem Grund ist er nicht in der Lage, die Oberseite der Fensterrahmen zu reinigen.

(26)  Faren har negativ holdning til barnevernet. => Der Vater hat eine negative Einstellung zum Barnevern.

Grund 26 ist natürlich der Kracher!

Die Liste gibt es hier auf Englisch: An incomplete list of reasons given by the child protection services (CPS) of the Nordic countries for depriving children of their parents

Die norwegische Liste gibt es hier: http://www.mhskanland.net/page2/page148/page148.html

Mein Rat an alle Norwegenfahrer: Laßt die Kinder besser zu Hause! Eine einzige dumme Bemerkung irgendeines Menschen, der sich vielleicht über Sie geärgert hat, gegenüber dem Barnevern, und Sie können Ihre Kinder vergessen! Wenn man sich vorstellt, daß es bereits mehrere Fälle gab, darunter sogar Norweger (!), in denen ursprünglich in Norwegen wohnende Familien im Ausland Asyl beantragt haben, um der Übergriffigkeit des Barnevern zu entgehen, dann erstrahlt Norwegen auf einmal im Lichte des Totalitarismus!

Herzlichen Glückwunsch, Norwegen, ich verneige mich in ehrfürchtigen Schauern vor dieser grauenerregenden Entwicklung!


PS:

Ich möchte darauf hinweisen, daß ich aus Faszination an Norwegen Norwegisch gelernt habe und mich seit mittlerweile mehr als zehn Jahren mit Norwegen befasse und oft im Urlaub dort bin. Ich hätte also wirklich keinen Grund, Norwegen in irgendeiner Beziehung schlechtzureden. Nein, ich bin, seit ich auf das Thema Barnevern gestoßen bin, lediglich entsetzt, einfach nur entsetzt.

PPS:

Der norwegische Begriff barnevern ist ein Neutrum ohne Artikel und wird ungefähr so ausgesprochen, wie er geschrieben wird. Das norwegische Wort barnevernet wird ungefähr bahnewäne ausgesprochen, wobei das r in ahn angedeutet wird ebenso wie bei än. Übertrieben wäre die Aussprache bahrnewärne. In KEINEM Fall, wenn man vom Genitiv barnevernets absieht, wird das t am Ende ausgesprochen. Ach ja, und während barnevern Kindeswohl bedeutet, heißt barnevernet DAS Kindeswohl. Die Norweger hängen nämlich den Artikel an das Hauptwort an, bilden also ein Suffix, um den direkten Artikel zu formen.